Montag, 12. März 2012

Doris Knecht: Gruber geht

Der Klappentext:
In Doris Knechts Debütroman geht es dem Karrieristen Gruber an den Kragen. Der Manager, Mitte dreißig, hat sich sein Leben zwischen Topjob, Flughafenlounges, Designappartement und Bettgeschichten hübsch ein­gerichtet. Er gefällt sich als zynischer Bescheidwisser, der seine Geliebte auch schon mal zum Weinen bringt, damit sie lernt, was die Realität von TV-Soaps unterscheidet. Dass er sich aber selbst mit einem coolen, sexy Superhelden verwechselt, dass er dann doch ein bisschen kleiner und schwächer ist als die Realität, das muss Gruber erfahren, als ein Tumor in seinem Bauch entdeckt wird. Gruber säuft, feiert durch und prügelt sich. Gruber macht Selbsterfahrung und Chemotherapie. Und Gruber verliebt sich. Schließlich wird er wieder heil. Aber er ist am Ende kein besserer Mensch. Vielleicht nur ein bisschen offener, liebevoller und kompromissbereiter. Vielleicht. Schmissig und pointenreich treibt Doris Knecht ihren höchst neurotischen und oft komischen Helden voran, bis in die Arme einer schlauen Berliner DJane – die in Gruber irgendetwas sieht, was nicht einmal Gruber selbst in sich sehen kann, und die sich ebenfalls mordsmäßig verliebt ... Ein vielschichtiger Roman voller Witz und Wut. Und ein Held, in dem sich jeder wiedererkennt – auch wenn er gar nicht will.

Über die Autorin:
Doris Knecht, geboren 1966 in Vorarlberg, gehört zu den originellsten und witzigsten Stimmen des österreichischen Journalismus. Sie war u. a. stellvertretende Chefredakteurin des Wiener Stadtmagazins "Falter" und Kolumnistin des Schweizer "Tages-Anzeigers". Für den "Kurier" schreibt sie fünfmal wöchentlich eine Leitkolumne mit dem Titel "Jetzt erst Knecht", in der Wiener Bar "rhiz" legt sie regelmäßig als DJane auf. Doris Knecht lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel. "Gruber geht" ist ihr erster Roman.

Meine Beurteilung:
Zunächst eine Anmerkungen vorab:
Bei diesem Buch fasst der Klappentext die Handlung ausnahmsweise einmal gut zusammen – für einen Klappentext zumindest. Das kommt so selten vor, dass sowas ja auch mal lobend erwähnt werden muss. Ich werde deshalb dazu auch nichts weiter schreiben.

Mich hätte diese Zusammenfassung jedoch auf jeden Fall abgeschreckt, denn ihr Stil spricht mich gar nicht an. Einzig die Tatsache, dass der Titel auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand - als Debutroman (!), hat mich dazu bewogen, ihn zu lesen.

Es ist schon grandios, was die Autorin mit ihren Lesern macht. Da ist Gruber, dieser typische Vertreter der Generation Y, der einem - wie Gruber sagen würde - vollumfänglich unsympathisch ist. Businessmann, kein bisschen mit der Gegenwart verbunden, hält er sich selbst für besser als alle anderen, ignoriert seinen Krebs komplett und macht einfach weiter wie bisher – denn er hat alles im Griff.
Dennoch bleibt man dran, man wird in die Geschichte hineingesogen, auch wenn die sehr moderne Sprache zunächst anstrengend ist und einem einiges abverlangt. Sie ist eigenwillig lakonisch – nicht schön eben, so wie auch Gruber nicht symphatisch ist.

Letzten Endes hat das Buch den Preis nicht gewonnen und in fast allen Feuilletons hielt man dieses Ergebnis für richtig, da die Handlung vorhersehbar und wie eine Rosamunde-Pilcher-Schmonzette aufgebaut sei.

Dabei haben die Rezensenten aber etwas übersehen, denn in dieser Geschichte geht es um etwas ganz anderes: Der Roman ist Charakterstudie und Sittengemälde der Generation Facebook, er entlarvt Scheinwelten. Am Ende zeigt sich, dass es keine ultimative Wahrheit im Umgang mit dem Leben gibt.
Ich finde das beileibe nicht schmonzettenhaft.
Die Autorin findet immer und sicher die Balance zwischen Zynismus und menschlicher Wärme, Hoffnung und Enttäuschung. Ihr Buch ist eine Bereicherung der deutschen Gegenwartsliteratur und ich hoffe, noch viel mehr von Doris Knecht lesen zu können.

Kommentare:

  1. Liebe Creaphila,
    Du schreibst unbeschreibliche Beschreibungen! Das ist ein sehr hochniveauiges (schönes Wort, gelle?!) Talent, was Du da hast.

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  2. Findste? Naja, wenn mir ein Buch am Herz liegt, möchte ich es gerne auch anderen näher bringen :-)

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  3. Ja finde ich. Total. ICH könnte ein Buch niemals so erfassen - und das schon gar nicht in so präzise Worte fassen. Du machst das großartig.

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Dankeschön :-)
Nette Grüße von den Farbtrullas