Mittwoch, 26. September 2012

Bernd Gieseking, Finne dich selbst



Klappentext:
Finnland. Da denkt jeder an Seen, Sauna, Mücken und Elche. Und eine verteufelt schwere Sprache. Aber wer sind die Menschen dort? Verschrobene Einzelgänger? Trinkfest und sangestüchtig? Bernd Gieseking bekommt einen Crashkurs. Weil sein Bruder sich in eine Finnin verliebt hat und seine Eltern ihn in seiner neuen Heimat besuchen wollen, bricht er zu einer Familienreise mit alten Eltern auf und fährt von Kutenhausen nach Lahti. Und das ist so skurril wie alltäglich, das ist aberwitzig und melancholisch schön. Die Geschichte auch eines Findens und sich Wiederfindens, wunderbar humorig und witzig erzählt von einem Routinier des Komischen, der aber eben auch durch alles durch muss: Karaoke und Sauna, Eltern und Elch, Wodka und Wald.

 



Meine Meinung:
Dieses Buch habe nicht ich gefunden, es hat mich gefunden und zu meinem Glück habe ich mich nicht von dem – wie ich finde – sehr platten Untertitel „Mit den Eltern auf dem Rücksitz ins Land der Rentiere“ und dem etwas nach Massenware wirkenden Einband abschrecken lassen.

Dieses Buch ist ein kleines Juwel – und für mich etwas ganz besonderes, denn der Autor, Bernd Gieseking, stammt aus meiner alten Heimat.

Bernd Gieseking erzählt in seinem Roman, wie er nach nach 35 Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam mit seinen 70+-Eltern gemeinsam in den Urlaub fährt. Das hatte er zwar nicht vorgehabt, doch er konnte sie ja nicht allein nach Finnland fahren lassen, wo sie seinen jüngeren Bruder, der dorthin ausgewandert ist, besuchen wollten.

Alles, was die Eltern unterwegs sehen und erleben, deuten sie natürlich durch ihre „ostwestfälische Brille“ – und das ist nicht nur sehr sehr witzig, sondern auch ganz wunderbar liebenswürdig. Bernd Gieseking lässt uns miterleben, wie er an den Eltern seiner Kindheit immer wieder neue, bis dahin unbekannte Seiten entdeckt und wie sich dadurch eine neue Nähe zwischen den Dreien entwickelt. Gleichzeitig erzählt er uns von Menschen und Begebenheiten auf der Reise, die nur jemand erlebt, der aufgeschlossen und interessiert hinschaut. Es sind die kleinen, häufig sehr skurrilen Dinge, die er schildert, die uns einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der Finnen gewähren und uns Land und Leute auf eine Weise näherbringen, wie es kein Reiseführer der Welt könnte. Dies alles wird auf eine feine, hinreißend komische Weise erzählt, so dass man einfach immer weiter lesen muss.

Das Buch ist witzig, anrührend, tiefgründig - es eine zutiefst freundliche Liebeserklärung an Finnland und eine weise Umarmung der eigenen Eltern.

Ich wünsche dem Buch ganz viele Leser und erteile hiermit allen unseren Blogbesuchern strikten Lesebefehl!

Kommentare:

  1. Ja, das muss auch auf meine Leseliste!

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  2. Hab ich noch nicht von gehört, klingt superinteressant! Danke!
    LG
    Tinka

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Dankeschön :-)
Nette Grüße von den Farbtrullas